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Gibt es die Jungtauben-Krankheit?
Eine Frage, die der Vizepräsident
Walter Klein in „Brieftaube" Folge 35/03 an die Züchter und an unsere
Tierärzte stellte. Die Beantwortung dieser Frage kann aber im Grunde
nur von den Tierärzten kommen. Sie erleben doch die Probleme hautnah
vor Ort.
Leider gibt es aber auch unter den
Tierärzten keinen einheitlichen Therapieansatz oder Meinung zur
Jungtauben-Krankheit.
Ich selber hatte vor Jahren permanent
Probleme mit der Jungtauben-Krankheit. Die Diagnose beim Tierarzt war
jedoch immer ein einleuchtender Befund; einmal hatte ich Paramyxo,
weil einige Spätjunge nicht geimpft wurden, und ein anderes Mal waren
es Salmonellen bei den Jungtauben. Dies war für mich der Zeitpunkt,
mich eingehend mit den Problemen der so genannten Jungtauben-Krankheit
zu befassen. Heute bin ich der absoluten Überzeugung, dass man durch
systematisches Impfen einen topgesunden Brieftaubenbestand erhalten
kann.
Wie macht man das und was bedeutet
es?
Als Erstes impfe ich alle Jungtauben
sofort beim Absetzen gegen Paramyxo mit Colombovac (kein
Kombiimpfstoff!). Dieser Impfstoff ist wässrig, erfordert mit 0,2 ml
nur eine kleine Impfdosis und ist deshalb absolut gut verträglich. Mit
dieser frühen Impfung gebe ich den Jungtauben einen ersten
Immunitätsschub und schütze sie sofort gegen die Paramyxovirose, denn
diese Erkrankung kann schon sehr früh auftreten. Die meisten Züchter
würden sie auch nicht erkennen, weil das früher auftretende, typische
Kopfverdrehen kaum noch festzustellen ist. Heutzutage wird der
Krankheitsverlauf von wässrigem Kot begleitet, der Schlagboden sieht
aus, als wenn es hineingeregnet hätte. Wenn man bedenkt, wie früh
heutzutage Jungtauben gezogen und wie spät diese dann oft geimpft
werden, teilweise erst kurz vor Reisebeginn, ist dies im Grunde ein unmöglicher
Zustand!
Nach dem Absetzen der Jungtauben
können Sie selbstverständlich auch eine Strohecke im Jungtierschlag
einrichten. Diese eigentlich gut gemeinte Idee wird von vielen
Taubenzüchtern jedoch zu einem Misthaufen umfunktioniert. Davor kann
ich nur warnen. Gerade im Sommer ist dieser Misthaufen eine ideale
Brutecke für verschiedene Krankheitserreger. Ich reinige deshalb
meinen Jungtiertaubenschlag zweimal am Tag, weil ich ihn, wie fast
alle Züchter, überbesetzt habe. Allerdings können meine Tiere den
ganzen Tag über in eine Voliere laufen und an der Luft und Sonne ihr
Immunsystem hervorragend stärken.
Impfung gegen Paratyphus.
Zieht der erste Jungtaubenschwarm ums
Haus, werden die fliegenden Jungtauben mit Zoosal T geimpft
(Lebendimpfstoff). Dieser Impfstoff stammt aus der früheren DDR. Dort
gab es die so genannten LPGs in der Landwirtschaft, in denen die
Massentierhaltung ausgeübt wurde, mit den bekannten
Krankheitsproblemen. Vergleichbar mit den Problemen, die wir auch oft
mit unseren großen Taubenbeständen speziell bei den Jungtauben haben.
Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem Einsatz von lebenden
Impfkeimen ist die Wirksamkeit unübertroffen.
Heute wird Wirtschaftsgeflügel
bundesweit ausschließlich mit Salmonellen-Lebendimpfstoffen vor
Infektionen mit diesem Keim geschützt. Die Sicherheit von
Lebendimpfstoffen ist mittlerweile so gut, dass diese selbst für die
Lebensmittelproduktion problemlos eingesetzt werden. Ich weiß, dass
viele Tierärzte dieses nicht so sehen, aber es ist Zeit, wach zu
werden und umzudenken. Nicht alles, was man im Studium gelernt hat,
muss Gültigkeit für die Ewigkeit haben.
Positive Schutzwirkung der
Impfungen.
Fast alle Züchter, die diesen
Impfstoff verwenden, bestätigen die positive Schutzwirkung. Und das
nicht nur bei Salmonellen, sondern bei allen Magen-Darm-Problemen, und
die haben wir doch bei unseren Jungtauben. Wenn man die Artikel von
Professor Grund zu diesem Thema liest, dürfte es dazu keine
Diskussionen mehr geben. In einem Bericht eines Tierarztes, einem der
führenden Taubentierärzte, konnte ich vor kurzer Zeit lesen:
„Zahlreiche Beobachtungen von Züchtern belegen, dass in Beständen, in
denen seit Jahren regelmäßig gegen Salmonellen geimpft wird, die
Häufigkeit und die Schwere verschiedener Jungtiererkrankungen geringer
sind." Vor der Erstimpfung mit Zoosal T sollten Sie eine
Antibiotika-Kur machen und erst nach 10 Tagen impfen, weil das sonst
nachwirkende Antibiotikum den Impfstoff nicht zur Wirkung kommen
lässt. Diese Kur dient dazu, unterschwellig vorhandene
Salmonellennester bei den Tauben zu eliminieren.
Untersuchungen von der Firma IDT über
die Häufigkeit von Salmonellen bei Brieftauben gibt es, und die
müssten allen Züchtern Warnung genug sein (IDT Dessau-Tornau GmbH,
Streetzer Weg 15 a, 06862 Rodleben, Tel. 034901-88509).
Nach dieser Impfung lasse ich meine
Jungtauben einen Tag nicht fliegen. Die Tauben leiden etwas unter
dieser Impfung, blühen aber danach wieder auf. Ich habe somit einen
zweiten Immunitätsschub gesetzt und halte mir mit dieser Impfung viele
Magen-Darm-Probleme bei den Jungtauben vom Hals.
Kurz vor Beginn der Vortouren impfe
ich dann zum dritten Mal, und zwar gegen die Pocken nach der
Follikelmethode (Nobilis Pigeon Pox, Intervet). Diese Impfung
stimuliert das Immunsystem am meisten, so dass eine weitere
verbesserte Abwehrkraft gegen andere Krankheiten aufgebaut wird und in
die Reise hineingetragen werden kann. Die Impfung gegen die Pocken
enthält die gleichen Viren wie Baypamun, welches im Pferdesport
eingesetzt wird, und dem man eine starke immunstimulierende Wirkung
nachsagt. Mit diesem systematischen Impfen habe ich nicht nur die
Pflichtimpfungen durchgeführt, sondern vor allen Dingen im Abstand von
Wochen eine starke Immunstimulation bewirkt. Diese Impfungen
wiederhole ich im Winter mit dem gesamten Bestand und damit meine ich
restlos alle Tauben, jede Reise- und jede Zuchttaube.
Alle diese Impfungen führen zu einer
spezifischen Stimulierung des Immunsystems und zeigen darüber hinaus
meiner Erfahrung nach übergreifende positive Effekte im Sinne eines
Paraimmunitäts-Inducer (unspezifischer Reiz, der das Immunsystem in
seiner Leistungsfähigkeit unterstützt).
Es wird Zeit, dass wir Taubenzüchter
wach werden und umdenken. Eine Impfung ist nämlich nichts
Krankmachendes, sondern dient dazu, den Taubenbestand gesund zu
halten und ist im Grunde viel billiger, als Medikamente kaufen zu
müssen.
Naturprodukte auf dem Vormarsch.
Zusätzlich verwende ich seit einigen
Jahren sehr viel Dosto-WG-Ropa-Flüssig 10% bei meinen Tauben, besonders bei
den Jungtauben. Dosto-WG-Ropa-Flüssig wirkt gegen viele Infektionen des
Magen-Darm-Traktes, hat eine vorbeugende Wirkung gegen Kokzidien und
Pilzinfektionen. In früheren Zeiten galten Zubereitungen des
Oreganum-Öles auch als „Antibiotikum für Arme". Bereits 24 Stunden
nach der Einnahme von Dosto-WG-Ropa-Flüssig werden Sie feststellen, dass der
Kot fest, rund und gebunden ist. Die Tiere fressen mehr und fliegen
besser. In der Geflügelindustrie und in der Schweinemast wird nach dem
Verbot von vielen Antibiotika immer häufiger Dosto verwendet. Bei den
Kaninchenzüchtern gibt es eine Krankheit, die sich Enterocolitis
nennt, an der wie fast bei der Jungtauben-Krankheit viele junge
Kaninchen zugrunde gehen. Auch hier wurde Dosto-WG-Ropa-Flüssig mit großem
Erfolg eingesetzt.
Dass man Tauben, die gereist werden,
also auch Jungtauben, ein leicht verdauliches und energiereiches
Futter füttern muss, dürfte sich langsam herumgesprochen haben. Ab dem
Zeitpunkt, an dem die Jungtauben „ziehen", sollten Sie keine Hülsenfrüchte
mehr füttern, auch nicht bei der so genannten Dreiphasenfütterung.
Selbst bei uns Menschen macht sich doch der Bohnen- und Erbseneintopf
noch nach Stunden negativ bemerkbar. Man kann es riechen und hören.
Vor den Vortouren sollte man den
Jungtauben die Gelegenheit geben, sich an den Korb zu gewöhnen.
Häufig geschieht der Ausbruch der
Krankheit in Verbindung mit dem Stress des ersten Einsetzens. Ich
korbe meine Jungtauben 2-3 mal Zuhause ein und lasse sie in l
Kilometer Entfernung fliegen. Das gibt den Jungtauben Sicherheit,
nimmt die Panik vor dem Reisekorb und minimiert den Faktor Stress.
Um
auf die Frage zurückzukommen: Gibt es eine Jungtauben-Krankheit?
Mein persönliches Fazit lautet: Wenn
die in diesem Bericht beschriebenen vorbeugenden Maßnahmen
durchgeführt würden, dann bliebe mit Sicherheit von der
Jungtauben-Krankheit nicht viel übrig. Johannes Jakobs
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